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E-Learning Dossier Ausgabe 2008/03

Editorial

Im digitalen Zeitalter gewinnen zunehmend mobile Endgeräte wie Handys, PDA oder Handhelds und auch zunehmend kleiner werdende Notebooks nicht zuletzt auch als «Bildungstechnologien» an Bedeutung. Man spricht von Mobile Learning oder M-Learning (auch: «wireless», «nomadic» oder «pervasive learning»), «wenn diese mobilen, drahtlos vernetzten Endgeräte zum Lernen und Lehren eingesetzt werden. Das M-Learning ist eine Ergänzung und Erweiterung des Internet-basierten E-Learning.»

Das Thema mobiles Lernen hat sich seit dem Jahr 2000 international «als lebendiges technik- und sozialwissenschaftliches Forschungs- und Entwicklungsfeld etabliert. Viele Ideen sind bislang jedoch nur als kostspielige Pilotprojekte und Prototypen realisiert worden.» (Nicola Döring, 2007)

Mit der Definition ist aber das Spektrum des Mobile Learning in seinen vielfältigen Ausprägungen und Interessen in den Wissenschaften, in der Forschung, in der Pädagogik und in betrieblichen Anwendungen nur schemenhaft umrissen. Um sich einen guten Überblick zu verschaffen, sind vorerst Berge an Online- Literatur und Konferenzpapieren vorwiegend in Englisch durchzuarbeiten. Auch die Idee, bisherige E-Learning-Beispiele oder traditionelle Lernsettings «einfach» auf das Mobile übertragen zu wollen, sollte schnell verworfen werden. Denn das Mobile fordert uns heraus, den Lernprozess in neuen Kategorien, in
neuen Umgebungen und mit neuen Zeitfaktoren anzudenken oder visionär die Eigenschaften des Mobilen erfahrbar zu machen und sie im besten Fall in den Hochschul- oder Berufsalltag zu integrieren. Dieser setzt voraus, dass bestehende funktionierende Organisationsprozesse und Abläufe in neue Zusammenhänge gebracht werden, und das kann dauern!

Dem Visionären sollte in der gegenwärtigen Entwicklung vorerst keine Grenzen gesetzt werden! Es braucht jetzt vor allem den Dialog zwischen den Entwicklern, den Dozierenden, den Wissenschaftern und den Unternehmern, um die Nutzenpotenziale auszuloten. Nicht zuletzt werden sich auch die Anwendungsmöglichkeiten mit den diversen Mobilgeräten multiplizieren. Und neben dem recht erfolgreichen «Edutainment» (z.B. iPods, Musikpods, SMS) müssen sich die Benutzer auf das neue mobile «Lernmedium» erst einlassen.

Was kann unter dem Begriff des mobilen Lernens alles gefasst werden? Was hat das mobile Lernen im Vergleich zum E-Learning an Mehrwert zu bieten? Oder ist Mobile Learning eine Modeerscheinung? Wo liegen die Potenziale für die Lehre, welches sind die Nutzen für betriebliche Anwendungen? Und was bedeutet es für die Lehre mobile Lernszenarien zu entwickeln? Diesen und weiteren Fragen sind die Autoren und Autorinnen der Ausgabe #03 nachgegangen.

Die Ausgabe #03 bietet Interviews, Artikel, Projekte und News.

Dr. Norbert Pachler, Co-Direktor am Institute of Education at the University of London und Reader for Education, widmet sich in seinem Beitrag der definitorischen Klärung des Begriffes «Mobile Learning». Dabei verweist er auf den momentanen Diskussionsstand in der einschlägigen englischsprachigen Forschungsliteratur. Dr. Mike Sharples, Leiter des Learning Sciences Research Institute at the University of Nottingham und Leiter des Kaleidoscope SIG on mobile Learning, steht dem CSPC in einem Mail-Interview zur neusten Mobile Learning-Forschung Rede und Antwort. Maciej Kuszpa, Gründer und Leiter des Mobile Education Center of Excellence der FernUniversität Hagen, erläutert am Beispiel des Managementstudiums den Einsatz von Mobile Learning in der Lehre und lotet die Vor- und Nachteile mobiler Lernszenarien aus. Andreas Reinhardt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am NET der ETHZ, berichtet von seinen Erfahrungen beim Einsatz des «E-Learning-Podcasts» in der Lehre. Im Interview mit Christoph Pimmer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftsinformatik der FHNW, geht das CSPC den Fragen des mobilen Lernens in betrieblichen Anwendungen nach und wollte wissen: Warum ist Mobile Learning noch kein Hype? Raoul Heinkel, Co-Initiator und Leiter des Studiengangs Mobile Application Design (MAD) an der ZHdK, gibt einen Einblick in den Postgraduierten-Studiengang und skizziert einige Zukunftsszenarien zum mobilen Lernen. Margarete von Lupin, Journalistin und Dozentin am Institut Design2Context an der ZHdK, geht der Frage auf den Grund, was eigentlich das «Mobile» am Mobile Learning ausmacht oder, andersherum gefragt, was Lernen zum mobilen Lernen macht.

Mit seinem SMS-Kurzroman «SMS macht Liebe» verfasste Dr. Nils Röller, Professor am Departement Medien & Kunst der ZHdK und freier Autor, bereits im Jahr 2002 einen der frühen SMS Romane. Das erste Kapitel wird hier als «Kostprobe» abgedruckt. Dr. Patrick Jermann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am CRAFT der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), präsentiert mit den beiden Forschungsprojekten «wiSim» und «ManyScripts» kollaborative Lernszenarien mit Mobilgeräten. Dr. Beat Signer, Senior Researcher am Institut für Informationssysteme der ETHZ, zeigt an den Anwendungsbeispielen von iPaper, iServer und PaperPoint, dass auch das Papier ein interaktives mobiles Medium in den heutigen Cross-Media-Systemen darstellen kann. Die diplomierte Designerin Tanja Gompf, Senior Researcher am Institut für Design und Technologie der ZHdK, erläutert am KTI-Forschungsprojekt «MIS - Multidimensional Interactive Storytelling» die Möglichkeiten des crossmedialen Geschichtenerzählens über IP-Medien.

Neu in der 3. Ausgabe des e-Dossiers ist die Newsseite zu «Mobile & Art», welche erstmals internationale, renommierte Künstlerprojekte und Ausstellungshinweise zum Thema vermittelt. Neu sind auch die ergänzenden Literatur- und URL-Tipps zum Mobile Learning, welche zwischen den Artikeln eingefügt wurden.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. Lassen Sie sich inspirieren!

Andrea Helbach



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